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Theodosianische Mauern (İstanbul Surları)

Theodosianische Mauern

Foto: Aydin Sertbas

Die Ziegel und Steine der Theodosianischen Mauern ziehen sich über sechs Kilometer entlang der Küste des Marmara Meeres bis ans nördliche Ufer des Goldenen Horns. Es ist das triumphale Werk Kaiser Theodosius II., das zu Beginn des 5. Jahrhunderts unter der Aufsicht von Stadtpräfekt Anthemios erbaut wurde und heute noch stolz das Stadtbild prägt. Insgesamt elf Tore besaß die Mauer ursprünglich und schloss 192 Türme in sein Komplex mit ein.

Von Wissenschaftlern wird sie als eine der architektonisch erfolgreichsten Befestigungsanlagen in der Geschichte der Kriegstechnik eingestuft. Diese Feststellung beruht letzten Endes nicht nur auf der Tatsache, dass die Mauern über 1000 Jahre lang der Stadt als Schutzwall dienten und vor dem Feind schützten. Auch viele der einschneidensten Ereignisse in der Geschichte der Stadt stehen eng mit diesem außergewöhnlichen Bauwerk in Zusammenhang. Ausschlaggebend für die Veranlassung des Großprojekts war zum einem die rasche Ausdehnung Konstantinopels, die dazu führte, dass viele Stadtgebiete vollkommen ungeschützt waren. Zum anderen waren es die Gefahren der Völkerwanderung, deren Folge eine massive Bedrohung, zu der Zeit besonders von Goten und Hunnen, war. Nach und nach entwickelte sich die Theodosianische Mauer als Schutz sowohl vor Angriffen von der Landes- wie auch von der Seeseite aus. Aufgrund von Erdbeben und daraus resultierenden Bränden baute man die Anlage immer wieder auf und verbesserte sie. So kam es zu einem dreifachen Wallsystem der Mauer und das Bollwerk wurde immer unmöglicher zu durchdringen.

Bis Anfang des 13. Jahrhunderts der vierte Kreuzzug folgte, bei dem durch einen Zufall über die weniger gut befestigten Seemauern in die Stadt eingedrungen werden konnte und folglich die fast vollkommene Ausplünderung Konstantinopel zum Verhängnis wurde. Von dieser Katastrophe erholte sich das Byzantinische Kaiserreich nie mehr wieder.

Völlig erstürmt wurde die Stadtmauer aber zum ersten Mal von den Osmanen, als 1453 nach einer siebenwöchigen Belagerung der Stadt das Feldheer von Sultan Mehmet II. weitaus überlegener war. Die Belagerungstechnik der Osmanen führte zu einer bedeutenden Wende in der Geschichte der Kriegsführung. Neben größeren Sturmangriffen und der Errichtung einer Pontonbrücke zog man die komplette osmanische Flotte vom Marmara Meer bis ans obere Ende des Goldenen Horns über Land, um die Stadt auf unerwartete Weise zu stürmen. Das zu dem Zeitpunkt weitgehend entvölkerte und bereits völlig verarmte Konstantinopel datierte seinen Untergang und mit ihm das ganze Byzantinische Reich.

 

 

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