Pages Navigation Menu

Unterwegs mit Kindern in Istanbul

PA175678

Eine Städtereise mit Kindern ist immer eine Herausforderung. Das gilt auch für einen Trip nach Istanbul. Für Familien mit Kindern und Jugendlichen jeden Alters ist die Megametropole ein spannendes Reiseziel.

Da ist einerseits die einzigartige Lage, die den Urlaub zu einem kleinen Lehrstück in Geografie werden lässt. Eine Bootstour zwischen den Kontinenten oder eine Fahrt über die Bosporusbrücke bieten viel Raum für Erklärungen und regen die Fantasie an.

In eine andere Welt entführen kann man die Kinder beim Spaziergang durch das Sultanahmet-Viertel mit seinen Moscheen, der uralten Hagia Sophia und dem Sultanspalast. In der geschichtsträchtigen Atmosphäre fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt und spannende Geschichten werden lebendig.

Ein Besuch der Yerebatan Zisterne unter der Altstadt wird zum aufregenden Abenteuer, wenn man die Kinder mit der Suche nach dem Medusenkopf und der tränenden Säule beauftragt. Und vergessen Sie nicht zu erwähnen, dass schon James Bond durch den Versunkenen Palast gerudert ist.

Lohnenswert ist auch ein Ausflug zum Leanderturm mit seinen Mythen und Legenden. Sie faszinieren große und kleine Touristen und manchmal kann man bei der Überfahrt sogar einen Schwarm Delfine im Bosporus entdecken. Welches Kind wird sich dafür nicht begeistern können?

Beim Besuch des Gedeckten Basars taucht man dann völlig ein in die sagenhafte Welt des Orients und der Einkaufsbummel wird zur aufregenden Entdeckungsreise. Jeder findet hier ein Lieblingsstück. Garantiert.

Ältere Kinder und Jugendliche werden sich im hippen Galata-Viertel von den Straßenkünstlern, den coolen Läden und den urigen Bars und Cafés entlang der Istiklal Caddesi angezogen fühlen. Den jüngeren Kindern gefällt mit Sicherheit der Aufstieg auf den Galataturm, der nicht nur einen aufregenden Blick über die Stadt bietet. Dieser Ort wartet auch mit einer sagenhaften Geschichte auf, bei der Kinder große Augen machen. So flog Ahmet Çelebi im 17. Jahrhundert mit selbst konstruierten Flügeln vom Galataturm bis hinüber auf die asiatische Seite der Stadt.

Istanbul ist im Grunde ein einziger, großer Abenteuerspielplatz, wenn man die Metropole einmal mit Kinderaugen betrachtet.

Nicht zu unterschätzen ist die Kinderfreundlichkeit der Türken. Kein Problem also, wenn man den Kindern im Restaurant oder Café zwischendurch eine Auszeit gönnt. Kinder sind willkommen. Punkt.

Doch seien Sie vorbereitet! Die grenzenlose Kinderfreundlichkeit kann mitunter bei Eltern Unbehagen auslösen. Die Begeisterung der Istanbuler für Kinder führt manchmal zu Situationen, die viele Eltern nicht richtig einzuordnen wissen. Da werden Köpfe getätschelt und in die Wangen gekniffen; Ladenbesitzer schenken den kleinen Touristen gerne mal ein Nazar Boncuk, ein blaues Glasauge, das Unheil vom Kind abwenden soll. Manchmal rufen die Verkäufer die Kinder auch in den Laden hinein, weil es im hinteren Bereich Babykatzen zu bestaunen gibt.

Das alles passiert aus reiner Freundlichkeit. Weder muss man sich verpflichtet fühlen, in den Laden zu gehen und etwas zu kaufen, noch braucht man zu befürchten, dass jemand bösartige Hintergedanken dabei hat. Meist ist es einfach eine nett gemeinte Geste und vielen Türken ist gar nicht bewusst, dass sie damit den Unmut der Eltern auf sich ziehen könnten.

Hier stoßen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Verständlicherweise fühlen sich viele Eltern in diesen Situationen unwohl. Aber lassen Sie sich davon nicht Ihren Aufenthalt verderben. Selbstverständlich ist es immer besser wachsam zu sein und Vorsicht walten zu lassen. Bleiben Sie freundlich und machen Sie deutlich, wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Kind angefasst wird. Aber ärgern Sie sich nicht, denn was Sie vielleicht als unangebrachte Grenzüberschreitung empfinden, ist in der türkischen Kultur meist völlig normal und harmlos.

Mit dieser Information im Hinterkopf kann man wesentlich entspannter mit den kleinen Entdeckern durch die Straßen bummeln und sich über die Kinderfreundlichkeit der Türken vielleicht sogar ein wenig freuen.

Ein Gastbeitrag von Katja Tongucer; istanbul:er:leben

<- Zurück