Die Basare Istanbuls

Die Basare Istanbuls

Eine Aura von Romantik und orientalischem Flair umgibt noch heute die alten Gebäude, die engen, verwinkelten Gassen, die freundlichen Kaufleute, die geschäftigen Handwerker und den Überfluss an bunten und exotischen Waren in den Basaren Istanbuls.

Manche Straßen, in denen fast nur Gold oder nur Teppiche verkauft werden, erinnern an die Zeit, als Basare ausschließlich nach Branchen sortiert und die Handwerker in straff organisierte Zünfte eingeteilt waren.

Das enge Raumgefüge von Moscheen, Türkischen Bädern, Brunnen, Lagerhäusern, Werkstätten und Basargebäuden entstammt einer Ära, als Handel und Religion noch untrennbar miteinander verbunden waren und eine strenge Marktordnung herrschte, die im Sinne des Islam Ehrlichkeit und Moral wahren sollte.

Die Basare Istanbuls sind Handelsplätze einer vergangenen Zeit und dennoch ziehen sie noch immer Menschen aus aller Welt in ihren Bann. Touristen und Einheimische kommen jedoch nicht nur hierher, um durch das Labyrinth an langen Gängen zu spazieren, sich an den Auslagen satt zu sehen und die Atmosphäre aufzunehmen; auch heute – wie schon seit hunderten von Jahren – kommen sie zum Basar, um einzukaufen. Hier finden sie alles, was das Herz eines Konsumenten begehrt: Alltägliches und weniger Alltägliches. Die Konkurrenz durch moderne Einkaufszentren und Auktionsplattformen im Internet hat den Basar noch nicht in seinen Grundfesten erschüttern können. Vielleicht liegt der beständige Erfolg von solch historischen Handelsplätzen wie dem Gedeckten Basar oder dem Ägyptischen Basar darin, dass hier das Geschäftemachen noch nach einem ganz besonderen Ritual abläuft. Es geht nicht darum, einfach einen Teppich, einen Kaftan oder einen Armreifen zu erwerben: Es geht um den Akt des Kaufens selbst.

Wie bei einem Schachspiel umkreisen einander Händler und Kunde, bedacht und respektvoll. Einer nach dem anderen macht seinen wohlüberlegten Zug. Sie unter- und überbieten sich gegenseitig. Der Händler lobt die feine Handarbeit des außergewöhnlichen Stücks. Der Käufer klagt über seine schwierige finanzielle Lage. Der Händler seufzt über die schweren Zeiten. Er weist auf seine große Familie hin, die er ganz alleine ernähren muss. Der Käufer erzählt von einem günstigeren Teppich, der ihm anderswo angeboten worden sei. Die Reaktion des Gegners wird genau studiert, kann sie doch möglicherweise verraten, ob man einen Schritt zu weit gegangen ist oder ob man das Spiel noch weiter treiben kann. Nicht selten kann es Stunden dauern, bis dieses Ritual zu Ende geht. Doch dann gehen beide Parteien zufrieden auseinander: Der Händler hat ein gutes Geschäft gemacht – nie würde er etwas unter seinem Wert verkaufen -, der Kunde zahlt genau so viel, wie ihm der Gegenstand wert ist.

Doch bei solch nervenauftreibenden Verhandlungen wird mehr als nur ein Geschäft abgeschlossen und Geld gegen Ware getauscht. Man gibt sich ganz dem Moment hin, taucht ein in eine Welt, die man außerhalb der Basarmauern kaum mehr findet. Menschen trinken Tee, erzählen aus ihrem Leben, bauen Vertrauen zum Gegenüber auf. Basare in islamischen Ländern sind eben nicht nur Handelszentren, sondern Märkte im ursprünglichen Sinn: ein Ort des Austauschs von Waren und Geschichten, der Mittelpunkt einer Gemeinschaft. Und in diesem Sinne sind Basare natürlich auch ein Spiegel des orientalischen Lebens.

Ein Auszug aus dem Buch „Die Basare Istanbuls“ von Laura Salm-Reifferscheidt, Isabel Böcking und Moritz Stipsicz (Christian Brandstätter Verlag). Lesen Sie mehr…

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